Für einmal mussten wir Samariterinnen und Samariter an unserer Monatsübung nicht nur gut arbeiten, nein, heute mussten wir vor allem auch gut aussehen! Ein Fotograf des Landboten hatte sich angekündigt. Für die Samstag-Ausgabe dieser Tageszeitung (17.09.2011) war nämlich ein Portrait über unseren Verein geplant, und zu so einem Artikel gehören Fotos schliesslich dazu.

Thema war ABCD:

Airway   =   Atemwege freimachen
Breathing   =   Beatmung
Circulation   =   Herzmassage
Defibrillation   =   Defibrillation

Schnell waren unsere Arbeitsplätze auf die Zivilschutzanlage verteilt, die Phantome eingerichtet und die AED-Geräte bereitgelegt. Gearbeitet wurde in kleinen Gruppen, so dass immer eine Person anhand eines Schemas kontrollieren konnte, wie seine oder ihre Gspändli unseren Jungs das Leben zu retten versuchten.

Hat er/sie den Patienten auf spontane Lebenszeichen überprüft? Wurde die Sanität alarmiert? Wurde ein Defi angefordert und wenn ja, auch richtig bedient? Waren Beatmung und Herzmassage effizient? Und dazwischen natürlich immer der knipsende Fotograf. Bin gespannt, wie die Aufnahmen geworden sind.

Im zweiten Teil der Übung gab es verschiedene Fallbeispiele zu lösen. Für den ersten Posten stelle man sich folgende Situation vor: Toilettenraum einer Zivilschutzanlage, zwei hysterische Weiber, schreiend und an eine geschlossene Toilettentür polternd, ein paar Füsse, welche unter den Seitenwändchen der Toilettenkabine hervorlugen. Dazu Gaffer, welche mit ihrem Geschnatter und ihrer Neugier noch zusätzlich Hektik verbreiten. Was war wohl passiert? Man könnte jetzt spontan an eine Fixerin denken, die sich vermutlich in der Dosierung ihrer Droge verschätzt hat… und liegt damit goldrichtig.

Die Rettung unserer Patientin gestaltet sich eher schwierig. Einerseits der Lärm, die Aufregung und generell die vielen Leute im Raum, anderseits kam erschwerend hinzu, dass die Toilettentür von innen verschlossen war. Nach einigen erfolglosen Versuchen, das Türschloss zu knacken, sprang Christian dann kurzerhand von der Nachbartoilette über die Trennwand und gelangte so zu unserer Patientin. Jetzt musste nur noch eine Lösung gefunden werden, wie die Patientin aus der kleinen Kabine raus gebracht und dann versorgt werden konnte.

Zweiter Schauplatz: Eine Frau liegt stöhnend, zuckend, wimmernd auf dem Boden vor einem Gestell. Ihre Sprache ist verwaschen, sie kann sich nur noch einseitig bewegen und versucht klarzumachen, dass sie nicht mehr richtig sehen kann. Ein Mundwinkel hängt herunter. Typische Symptome für einen Hirnschlag… Schnell alarmieren und die Patientin betreuen, bis Hilfe kommt.

Hier eine Bemerkung am Rand: Was uns Alice da gezeigt hat, war wahrlich eine schauspielerische Meisterleistung, ich jedenfalls hatte richtig Hühnerhaut!

Die dritte Situation spielte sich wie folgt ab: Eine Frau ruft um Hilfe, ihrem Vater gehe es nicht gut. Tatsächlich: er sitzt vor seinem Laptop, darauf läuft ein Film, die Lautstärke voll aufgedreht. Er keucht, hält sich die Brust. Es gehe ihm nicht gut, er habe so ein Engegefühl in der Brust, Schmerzen im Arm und im Oberbauch. Seine zweite Tochter sitzt hilflos daneben.

Glücklicherweise hat er aber seine Medikamente in der Nähe und die Samariter können ihm bei der Einnahme seiner Nitroglycerin-Dosis helfen. Der Lärm ist mittlerweile auch abgestellt, die Sanität alarmiert und der Patient mit erhöhtem Oberkörper auf dem Boden gelagert. Hat er also nochmals Schwein gehabt…Obwohl die Übung durch den Besuch des Fotografen anfangs etwas hektisch verlief, war es doch – einmal mehr – ein gelungener Abend. Herzlichen Dank!

Sandra Bänninger